Der Weltenbezwinger


Acht Jahre sind seit dem Fall des Dunklen Reiches in das Land gezogen und die Wunden des Krieges sind fast verheilt. Grace und Shawn genießen die Zeit des Fridens mit ihren beiden Kindern.
Doch dann treffen aus dem ehemaligen Dunklen Reich beunruhigende Nachrichten ein. Rebellen kämpfen im Untergrund gegen die Herrschaft von Hochkönig Shawn. Gleichzeitig regt sich eine bedrohliche und finstere Macht in der alten Feste des im letzten Krieg getöteten Gegners König Kalidor. Shawn reist in das Neue Land, um sich dieser Probleme anzunehmen. Als Grace und die Kinder dann noch bei einem Besuch in ihrer alten Heimatwelt stranden, nimmt das Unheil seinen Lauf…


Taschenbuch Ausgabe (384 Seiten)
(ISBN 978-3-937817-13-2)
13,90 EUR

eBook
(ISBN 978-945230-03-9)
8,90 EUR

Leseprobe

Der Weltenbezwinger

Die letzten Strahlen des Tages brachen sich auf dem schwarzen Fels der Festung vor ihm und tauchten es in ein flammend rotes Meer aus Bewegungen und Schatten. Die Burg vor ihm war nicht wie sein Schloss. Denn Lywell war außerdem eine Stadt die sich vom Fuße bis hinauf zum Gipfel des Berges erhob. Überall grün und voll pulsierenden Leben. Diese Festung hier stand inmitten einer Steppe die sich über Meilen hinweg eben dahin zog und feindliche Angreifer keinen Schutz bot. Sie wirkte selbst von hier aus düster und Abweisend. Sie lag wie ein totes Tier in der Wüste das alles Leben abstieß. Die Feste war kein stark befestigtes Schloß mit hohen Wehrmauern wie Lywell, sondern eine uneinnehmbare Burg die jeden Überraschungsangriff alleine durch ihre Lage vereitelte. Zugleich erkannte Shawn augenblicklich die große Schwäche des Gemäuer. Rund herum gab es nichts. Die Menschen die in der Feste lebten waren dazu gezwungen ihre Lebensmittel hier im Dorf zu kaufen. Oder sie von noch weiter her, zur Feste bringen zu lassen. Einer Belagerung konnte man so kaum standhalten. Also wozu Soldaten bei einem Angriff opfern wenn es so einfach war. Shawn lächelte grimmig. Warum nur hatte man die Feste hier an dieser Stelle gebaut? Er konnte sich vorstellen das es hier vielleicht mal grün gewesen war. Die Ebene fruchtbar und reich an Getreide. Doch offenbar hatte der Krieg nicht nur das Volk gebeutelt, sondern auch das Land. Vielleicht war hier einst auch mal ein größeres Dorf gewesen. Nur weil man nichts mehr davon sah, bedeutete nicht, das es nicht da gewesen ist. Aber was war, wenn man die Feste gewollt hier gebaut hatte? Abweisend und düster? Shawn glaubte nicht daran, es wäre zu einfach die Belagerten zum Aufgeben zu zwingen. Shawn schauderte es als ihm ein furchtbarer Gedanke kam. Denn ein König, der mächtig genug war ein ganzes Heer aus Untoten zu befehligen, würde sicher auch nichts zum Essen benötigen. Was störte ihn da also eine Belagerung?
»Du kannst es sogar hier schon fühlen, nicht wahr mein Freund?«
Shawn drehte sich überrascht um und lächelte Degger unsicher an.
»Ja, du nicht?«
Der Hüne schüttelte den Kopf, nickte aber gleich darauf. »Ich habe kein gutes Gefühl, aber mehr nicht.«
»Die Magie die an diesem Ort weilt ist stark, unglaublich stark und sie ist finster und böse!«
»Ja, aber heute Nacht werden wir endlich wieder gut schlafen können. Laß uns erst Morgen über das Geheimnis der Burg nachsinnen. Die Frauen des Dorfes sind fertig mit ihren Vorbereitungen und schicken mich um dich zu holen.«
»Die Menschen hier sind sehr zuvorkommend. Sind es Leute aus Tybay?«
»Nein, es sind Menschen des Dunklen Reiches. Jetzt siehst du selbst wie dankbar sie sind für das was wir ihnen bringen. Das Dorf war arm und die Menschen am verhungern als der Dunkle Lord sie tyrannisierte. Jetzt sind sie zwar auch nicht reich aber sie hungern nicht mehr und sie leben ohne Angst. Deshalb ist dieses Fest nur für dich und deine Mannen!«
»Ja, und wir sollten sie nicht warten lassen.«
Shawn wurde bereits erwartet. Manjek verbeugte sich und Shawn erwiderte die Geste. Damit waren die Feierlichkeiten eröffnet und die Musik erklang. Vier Männer und eine Frau spielten auf ihren Instrumenten und sangen.
Inzwischen brachten andere Speisen. Brot, gebratenes Fleisch, Früchte und was die Vorratsräume sonst noch hergeben hatten. Wein und Bier wurde in Krügen herangeschafft und ein Trinkspruch nach dem anderen machte die Runde. Obwohl die Speisen alle nichts besonderes waren, schmeckte es dem König so gut wie lange nicht mehr. Er lobte die Köchinnen von denen eine jüngere Gruppe beieinander standen und kicherten.
Ein großes Feuer in der Mitte des Dorfplatzes erhellte die Umgebung und verlieh allem eine zügellose und zugleich gemütliche Atmosphäre. Überall hörte man schmatzende Männer und lachende Frauen. Seine Männer, Quinfee und Eweligo saßen mit den Dörflern im Kreis um das Feuer. Geschichten wurden zu den Speisen gereicht und die abenteuerlichen Reisen blieben ziemlich oft nicht sehr dicht an der Wahrheit. Als der Alkoholspiegel im Blut stieg, wurde die Stimmung ausgelassener. Degger fordert ein Mädchen auf und wollte tanzen, doch die Gesellschaft bestand darauf, das Shawn der erste Tanz gebühre.
Eledora, das junge Mädchen welches Yar versprochen war, sollte mit dem König tanzen. Sie war sehr jung, gerade erst eine Frau. Schüchtern sah sie zum Boden und fürchtete sich offenbar davor mit dem König zu tanzen. Doch sie wurde so von allen Seiten bedrängt das sie keine andere Wahl hatte.
Elegant, den Schmutz der Reise hinter sich lassend, reichte er ihr seinen Arm. Sie war schön und ihre Gestalt schlank. Ihr blondes Haar war lang und lockig wie das von Grace. Der Wein und die Verlegenheit hatte ihre Wangen gerötet.
»Ihr braucht keine Angst zu haben« ,flüsterte Shawn. »Es ist doch nur ein Tanz.«
»Ich fürchte mich nicht vor dem Tanz, Mylord.« Sie sah ihn an und lächelte verlegen. Er lächelte ihr Aufmunternd zurück und dann hatten sie eine frei Stelle erreicht.
Die Musiker begannen und das ungleiche Pärchen begann zu tanzen. Kurz darauf gesellten sich weitere Paare dazu und eigentlich hätte Shawn damit bereits seine Pflicht getan, doch er tanzte mit ihr weiter. Ihre Bewegungen wurden fließender, weicher, um so länger sie tanzten. Der Wein stieg ihm in den Kopf während er sich mit ihr drehte. Das Feuer tauchte alles um sie in Schatten und Licht. Die Geräusche der Flammen, der Musik und der anderen Menschen um sie herum verschwamm. Sie lachten einander zu und bemerkten überhaupt nicht, das die Musik längst zuende war. Für sie war sie immer noch zu hören, bis dem König die Luft wegblieb und er sich der Jugend beugen mußte. Nach Luft schnappend blieben sie schließlich schwankend und lachend stehen. Er hielt ihre Hände.»Vielen Dank!« Shawn deutete eine Verbeugung an.
»Mylord,« sie machte einen höflichen Knicks, dann richtete sie sich auf und gab ihm einen flüchtigen Kuß auf die Lippen.
Die Menge grölte, lachte und klatschte und dann war wieder Musik zu hören und die Menge verschluckte Eledora.
Beschwipst kehrte Shawn zu seiner Decke und dem Wein zurück. Erschöpft ließ er sich zu Boden sinken und trank einen großen Schluck. Degger neben ihm schlug ihm so heftig auf den Rücken das Shawn sich verschluckte und hustete.
»Nicht schlecht für jemanden in deinem Alter, Shawn«, lachte sein Freund. Selbst schon vom Wein berauscht.
»Was gäbe ich jetzt drum wenn ich noch mal zwanzig und Ungebunden sein könnte«, seufzte er während er die Menge nach ihr Absuchte.
»Nur ein Wort, Mylord und sie… «
Shawn unterbrach ihn mit einer Geste. »Sprich es nicht aus, Freund. Ich denke, ich sollte mich jetzt lieber zurückziehen.«
Shawns Gedanken schweiften zu Grace und er fühlte eine Sehnsucht die weit über körperliche Bedürfnisse hinausging. Er erschauderte und eine Gänsehaut breitete sich auf seinem Körper aus. Grace! Er fühlte sich schäbig weil die Entfernung und der reichhaltige Alkohol ihn in Versuchung führte.
Und doch. Shawn erinnerte sich an Eledoras warmen und süßen Kuß. Er versuchte sich vorzustellen wie er sie hielt und küßte. Und weiter. Ihr nackter, erhitzter Körper an dem seinen. Hatte sie schon mal einen Mann geliebt?
Was Grace wohl dazu sagen würde?, rief er sich gedanklich zur Ordnung. Sicherlich nichts, sie würde ihn verlassen oder schlimmeres tun. Wahrscheinlich schlimmeres. Er grinste, trank seinen Becher leer und konnte gerade noch verhindern, daß man ihm beflissentlich nachschenkte.