Mortus in Colonia

„Es hat mich schon immer gereizt, Krimis zu schreiben, zumal ich in meiner Jugend nicht um die Drei ??? herum gekommen bin. Tatsächlich basieren meine ersten Schreibversuche auf Kriminalgeschichten, ehe ich das phantastische Umfeld entdeckte. Diese Ausschreibung hatte es mir besonders angetan, weil ich viele Jahre in Köln verbracht habe und es mir sehr ans Herz gewachsen ist. Und weil es Köln echt drauf hat, wenn es um Events geht.
In meiner Geschichte geht es um einen frei erfundenen Event für Jugendliche während der Sommerferien. Diese Schnitzeljagd durch Köln soll regionale Plätze mit dem Spielspaß eines Rätsels verbinden. Ein Geldpreis soll möglichst viele Jungdetektive auf den Plan rufen, um einen inszenierten Mordfall zu lösen.
Claudia, Daniela und Felix treffen sich an diesem Tag, um einen fingierten Mörder zu entlarven und machen dabei eine furchtbare Entdeckung …“

Herausgeber: Jan Eike Hornauer
Verlag: Wellhöfer Verlag, 2009
Taschenbuch, 230 Seiten
ISBN 978-3-939540-42-7

Leseprobe:

Schnitzeljagd

Bevor sie sich aufmachen konnten, wurden sie in dem Anmeldezelt in einen abgegrenzten Raum geschickt, der von einem Mann, der als Polizist verkleidet war, bewacht wurde. Er sah als Türsteher sehr professionell aus, womöglich war er auch in seinem richtigen Leben einer. Felix empfand das Ganze bereits jetzt als die erwartete große Zeitverschwendung. Viel lieber wäre er mit Daniela allein ins Müngersdorfer Stadionbad gefahren, um faul in der Sonne zu brutzeln und Eis zu essen.
»Hey, wow, schaut euch das mal an!« Der im Nebenraum dargestellte Tatort hatte Claudia, die Einzige von ihnen, die mit großen Erwartungen hierhergekommen war, sofort richtig begeistert. Sie gingen sehr dicht an die Absperrung heran und sahen sich alles genau an.
»Die Leiche ist ziemlich gut«, sagte Felix, nachdem er den toten Mann – eine Wachsfigur, die vor ihnen auf dem Rücken am Boden lag – ein paar Minuten lang betrachtet hatte. Er war mit mehreren Messerstichen ermordet worden. Die Wunden waren deutlich zu sehen und die Kleider schwer vom Filmblut, eine Blutlache zierte das Kopfsteinpflaster.
»Sieht wirklich ziemlich echt aus!« Daniela schauderte.
Ein Blitz zuckte durch den Raum, und die beiden drehten sich erschrocken zu Claudia um.
»Sorry! Ich brauche noch ein paar Tatortfotos!«, erklärte sie und machte munter damit weiter, die Leiche zu fotografieren.
Nach gefühlten hundert Fotos mischte sich Felix ein: »Claudia, meinst du nicht, dass die Fotos jetzt wirklich reichen?«
»Nein, ich muss ihn auch noch von da hinten fotografieren. Ich brauche jede Perspektive.«
Felix warf Daniela einen flehenden Blick zu, doch die hob nur die Schultern zu einer entschuldigenden Geste. Ihre Lippen formten lautlos die Worte: ›Du weißt doch, wie sie ist.‹
Er nickte, was sollte er auch sonst tun.
Als Claudia dann endlich fertig war, lasen sie gemeinsam die Akte durch. Der vermeintliche Mord hatte sich in den frühen Morgenstunden vor dem Brauhaus ›Früh‹ am Eingang gegenüber dem Dom zugetragen. Der Mann war ziemlich betrunken aus der Wirtsstube getorkelt, in der er zuvor einen Streit mit dem Köbes gehabt hatte. Kurz darauf war er erstochen aufgefunden worden. Von einem Pärchen, das von einem romantischen Spaziergang vom Rhein zurückgekehrt war. Zuletzt lebend gesehen hatten den Ermordeten der Köbes vom ›Früh‹ und ein sturzbesoffener Stammkunde. Unter Tatverdacht stand vor allem die Ex-Ehefrau des Ermordeten, aber auch ihr neuer Lebensgefährte. Beide Verdächtige sollten getrennt befragt werden. Doch auch jeder andere konnte der Mörder sein.
»Was denkt ihr: Sollen wir gleich um fünf Euro wetten, wer es war?«, fragte Felix und dachte sich: Wenn ich schon hier sein muss, kann ich das Ganze auch etwas aufpeppen.
Claudia, die darin eine gute Chance sah, sich als Superermittlerin zu präsentieren, stimmte ihm zu. »Okay«, sagte sie. »Wie lautet dein Tipp?«
»Ganz einfach. Es war der Köbes. Wahrscheinlich hat ihm das Opfer kein Trinkgeld gegeben.«