Karfunkelfeuer

»Man nehme das Zauberbuch, welches sich nur verrät, wenn der Geruch frischer Haferkekse weht.«

„Ein Satz wie aus einem Harry Potter Roman. Einmal ein echter Zauberlehrling zu sein, welcher Fan würde da Nein sagen? Meiner Proganistin Magan geht es ähnlich. Denn um einen Zaubertrank zu brauen, bedarf es den richtigen Ingredienzien und diese müssen erst Mal eingesammelt werden, auch wenn das bedeutet, sich einem echten Drachen stellen zu müssen.“

Herausgeber: Ulrich Burger
Verlag: Ulrich Burger Verlag, 2010
Taschenbuch, 176 Seiten

Leseprobe:

Spurlos verschwunden

Noch war der Morgen jung und Magan bereute es bereits, so früh aufgestanden zu sein, denn sie war noch immer total verschlafen.
Als sie die Küche betrat, wurde sie bereits erwartet. Die Küchenmagd, sichtbar motiviert, war eine rundliche ältere Dame, welche sie gleich losschickte, um Zutaten heran zu tragen. Eifrig machte sich Magan an die Arbeit, verrührte Butter, quirlte Eier und buk Haferflockenkekse.
Als sie einige Zeit später damit fertig war, hatte sie in ihrem Gesicht und an ihrer Kleidung zwar überall Mehl, aber sie sah auch sehr zufrieden aus.
Drei heiße, dampfende Kekse legte sie auf einen Teller und eilte durch die Burg, die langsam zu erwachen begann. Ohne gesehen zu werden, schlüpfte sie in die Räume des Hofmagiers und schloss die Tür leise. Das Zimmer war genau so, wie man sich die alchimistische Küche eines Zauberers vorstellte. Drei Tische standen an den Wänden. Darauf standen merkwürdige Werkzeuge, Tiegel, Messer, Kessel und Kolben. Über diesen Dingen standen in den Regalen Fläschchen mit getrockneten Kräutern und flüssige Extrakten. Zudem gab es einen Kamin und Bücherregale. Und überall sah es chaotisch aus. Der Schreibtisch, in der Mitte des Raumes war voll mit Pergamentrollen, aufgeschlagenen Büchern und Federkielen, Tinte, Sand, Wachs und einem Siegel.
Magan schob alles etwas beiseite und stellte den Teller auf die chaotisch gefüllte Tischplatte. Dann setzte sie sich in den großen, bequemen Stuhl und wartete.
Die Worte der Anleitung schwirrten ihr dabei durch den Kopf: `Man nehme das Zauberbuch, welches sich nur verrät, wenn der Geruch frischer Haferkekse weht.´
Sie hatte schon einmal Haferflockenkekse hierher gebracht, doch nichts war geschehen. Wahrscheinlich wehte bei kalten Keksen der Duft nicht so gut. Sollte es mit diesen hier aber auch nicht gelingen, das Zauberbuch heran zu locken, wäre sie ziemlich ratlos.
Minuten verstrichen, ohne dass etwas geschah. Magan fürchtete bereits, dass ihre frühen, morgendlichen Bemühungen fruchtlos wären, als sie plötzlich leise Geräusche hörte. Ängstlich sah sie sich um, denn womöglich würde sich das Zauberbuch erschrecken, wenn sie sich zu rasch bewegte. Doch dieses sah ganz und gar nicht verschreckt aus. Offenbar hatte es sich hinten einer schweren Vitrine verborgen gehabt. Es hatte einen dicken, kostbaren und dunklen Ledereinband mit Goldecken, damit die Kanten nicht so schnell abnutzten. Mit einem Seufzer tiefster Freude verzog sich das Buch auf schier unmögliche Weise, hüpfte grunzend abwechselnd auf seinen beiden unteren Ecken los und sprang auf den Tisch. Dort schlug es wie wild auf den Teller ein, zerdrückte die Kekse und den Teller und versuchte die Krümel mit seinen Buchseiten ins Innere zu schaufeln.
Magan musste bei diesem Anblick lachen. Sie streckte die Hand aus, um ihm zu helfen, doch da knurrte das Buch feindsselig.
„Keine Angst, ich will nichts von deinen Keksen. Ich hab die nur für dich gebacken. Ich wollte dir nur helfen.“ Sie lächelte. „Wenn du magst, dann füttere ich dich!“
Zuerst fand das Zauberbuch das gar nicht nett. Es mühte sich minutenlang weiter ab, bis es endlich einsah, dass sie ihm vielleicht doch helfen könnte. Es gurrte entschuldigend, hüpfte vor ihr auf den Tisch, fiel auf den Buchrücken und schlug sich auf.