Backnang Stories 2016

„Santa Claus is coming to town – aber was wäre, wenn er bleiben würde?“

Herausgeber: Marc Hamacher
Verlag: Leseratten Verlag
Taschenbuch,186 Seiten
ISBN 978-3-945230-20-6
EUR 10,00

Leseprobe:

Der Weihnachtswunsch

Backnang – in naher Zukunft.
Niko fläzte sich auf dem Sessel. Über den Funkkopfhörer hämmerte der Bass des Heavy Metal Stück in sein Gehirn. In den Händen hielt er sein Smartphone und schrieb seinem Klassenkamerad über Whats App eine Nachricht.
Plötzlich erschien die Info, dass er eine SMS bekommen hatte. Verdutzt fragte er sich, wer noch so antiquierte Dinge benutzte, doch da hatte er sie schon auf und las sie: »Dein Vater fühlt sich unwohl. Es wird Zeit. Besprechung in fünf Minuten.«
»Was?«, fragte sich Niko verdattert und starrte auf das Display. Dann sah er hoch und entdeckte Thomas, der an der Tür stand. Das Handy, von dem er die Nachricht geschickt hatte, hielt er noch in der Hand. Niko nahm den Kopfhörer ab.
»Was?«, wollte er erneut wissen und zeigte auf sein Display. Thomas blickte ihn weiterhin ernst an und nun lachte Niko. »Ich sags dir, Thomas, dieses Mal hättest du mich fast dran bekommen.«
»Diesmal ist es kein Scherz«, erklärte Thomas sachlich. »Die Lage ist Ernst. Deinem Vater ist es schlecht und er hat Bauchschmerzen. Er kann nirgendwo hingehen.«
»Thomas, Kumpel! Seit wie lange bist du schon Stellvertretender-Geschäftsleiter? Ihr schafft das ohne mich.«
»Es ist nicht die Frage, ob wir das schaffen. Darum geht es längst nicht mehr, und das weißt du genau. Auch, dass wir den Laden gut ohne dich oder deinen Vater führen können. Aber wir brauchen euch nach wie vor zur Vermarktung der Marke. Du weist, das wird immer schwerer.«
»Ja«, seufzte Niko. »Also, was muss ich tun?«

Kurze Zeit später verließen sie die Firma, in der sich auch ihr privater Wohnsitz befand. Sie hatten sie vor zwei Jahren im Lerchenäcker in Backnang gebaut. Andere, bereits ältere Bauwerke wie die unrentabel gewordene Tankstelle, der Subway und andere Geschäfte hatten weichen müssen. Selbst die riesige Produktionsanlage der Bäckerei Mildenberger hatten sie beim Kauf des Geländes geschluckt und für die eigene Produktion umgebaut.
Niko mochte Backnang. Die übersichtliche Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, die Einkaufsmöglichkeiten im Biegel und dem Schweizer Bau. Es gab auch gute Schulen in Backnang und mit seinen fünfzehn Jahren ging er gerne zum Unterricht. Nicht wegen dem Lehrstoff, sondern weil es da ein Mädchen gab: Elsa. Sie war schön, schlau und sie mochte ihn, was noch viel wichtiger war als die anderen Gründe. Denn Niko war nicht gerade der hübscheste, sportlichste noch intelligenteste Junge in der Klasse. Und es gab einige, die ihn mieden. Während sie mit der elektrischen Citybahn nun in den Innenstadt Bereich fuhren, dachte er an sie.