SCHNITTERGARN

„Humor ist ja so eine Sache. Es ist gut wenn man ihn hat … und andere haben eben Krag.“

Herausgeber: Marc Hamacher
Verlag: Leseratten Verlag
Taschenbuch, 432 Seiten
ISBN 978-3-945230-34-3
EUR 15,00

Leseprobe:

Ein komischer Vogel

Das ist nicht meine Woche!, dachte ich, während ich … ja was eigentlich? Ängstlich? Schockiert? Oder besser gesagt, in Todesangst auf die Geisterbahn starrte.
»Bitte, wie du meinst. Aber was soll dann erst der arme Kerl da drin sagen?«, fragte mich Krag.
»WAS?«, fragte ich, als ich aus meinen Überlegungen ins jetzt und hier zurückkehrte. Ich würde mich wohl nicht daran gewöhnen können, dass dieser Vogel meine Gedanken lesen konnte.
»Was? Also hör mal, Buddy. Du bist ziemlich undankbar. Dabei bin ich doch bei dir geblieben, um dir beizustehen«, flötete die Krähe auf meiner Schulter und plusterte sich auf.
»ICH HATTE NICHT DARUM GEBETEN.«
»Also … das ist jetzt ja wohl die Höhe«, tat Krag kund. »Da hat man Mitleid mit jemanden wie dir und dann wird man einfach tagein tagaus beleidigt. Wie lange muss ich das noch ertragen?«
»OH NAJA, KEIN PROBLEM. DEINE SEELE DARF JEDERZEIT WEITERZIEHEN. ES GIBT KEINEN GRUND FÜR DICH WIE SCHWARZER KAUGUMMI AN MIR ZU KLEBEN.«
»Oh, Prinzessin fängt wieder damit an«, krächzte Krag verstimmt.
Ich rieb mir die Stirn. Zumindest das, was ich als solche betrachtete. Die Woche hatte damit begonnen, dass ich einen Brief von meinem Kollegen Fiffi – dem Tod für Tiere – bekommen hatte.

Hi Kollege,
voll krasser Urlaub steht an. Mach mal Vertretung. Bis in sechs Wochen. Ich gehe jetzt mein Stöckchen holen.


Verblüfft hatte ich den Brief nicht nur drei Mal lesen müssen; auch hatte es mich dazu getrieben, nach dem roten Notfall-Telefon zu greifen. Das hatte ich seit meiner Amtseinführung vor ein paar tausend Jahren nicht mehr benutzt. Bereits nach dem zweiten Klingelton wurde abgehoben.
»Ja, Gott hier.«
»IST DAS IHR ERNST?«, hatte ich in den Hörer gebrüllt.
»Wer ist denn da?«, fragte er verwirrt. »Bist du das, Paulus?«
»NEIN! ICH BIN’S, GEVATTER TOD.«
»Oh! Was kann ich für Sie tun, noch vor dem Frühstück?« War das Tadel oder Begeisterung in der Bariton-Stimme Gottes?
»ICH HABE GERADE EINEN BRIEF VON MEINEM KOLLEGEN FIFFI BEKOMMEN. ER WÄRE JETZT SECHS WOCHEN IM URLAUB UND ICH MÜSSE SEINE VERTRETUNG MACHEN.«
»Oh ja, braver Junge. Ganz braver Junge. Und so flauschig.«
»ÄHM!«
»Sechs Wochen. Wow. Ganz schön lange Zeit, um nur Stöckchen holen zu gehen. Hoffentlich bekommt er dann keine Stöckchen-hol-Pfoten«, lachte Gott. »Sie wissen schon, Tennis-Arm und so.«
»ÄHM!«
»Himmel! Als ich noch jung war, da hab ich es auf der Erde auch krachen lassen. Die Plagen, die große Flut und all das. Irgendwie fehlt mir das. Vielleicht sollte ich mal wieder was unternehmen«, sagte er nachdenklich.