Drachenmär

„Drachenkriege, glitzernde Horte und kalter Verrat.
Die Drachen des Zirkels sammeln sich in düsteren Kavernen und erzählen von ihrer grausamen Herrschafft.“

Herausgeber: Dominik Schmeller
Limitierte Edition
Hardcover: 288 Seiten
EUR 18,90

Leseprobe:


Sein Kreuz knackte und der Schmerz stach in seinen unteren Rücken. Lutger Per stöhnte, biss die Zähne zusammen und richtete sich auf. Die morgendliche Sonne hatte ihn geweckt, und nun saß er am Bettrand und blickte sich in der Hütte um. Doch die war leer und kalt. Er vermisste den Anblick seiner Frau Merle. Wie sie die Wäsche machte, kochte und ihm bei der Bewirtschaftung ihres kleinen Hofes half. Dieser hatte nie viel abgeworfen, doch für seine Frau, ihre Tochter und ihn war es immer genug gewesen. Jetzt, im Alter, sah das anders aus, da es ihnen zusehends schwerer fiel, den Hof zu bestellen. Seit knapp einem Jahr war er nun mit der ganzen Arbeit allein. Das Dach seines kleinen Hauses reparierte sich nicht von selbst. Er konnte es allerdings auch nicht mehr … und ganz allmählich gingen ihm die Gefäße zum Auffangen des Regenwassers aus.
Mühsam stemmte er sich hoch, die linke Hand am Rücken, so, als könnte sie verhindern, dass der Schmerz zurückkehrte.
Lutger schlurfte zum Kamin, entzündete mit der Restglut ein neues Feuer und wärmte sich die vom Vortag übrig gebliebene Getreidegrütze auf. Nach dem Essen ging er in den angrenzenden Stall, in dem zwei Hühner und eine Ziege mit Zicklein ebenfalls auf ihr Frühstück warteten. Der schwarze Kater Odo strich im dabei schmeichelnd und mauzend um die Beine. Er hielt die Ratten und Mäuse vom Haus fern. Doch heute Nacht schien er leer ausgegangen zu sein. Früher hatte ihn seine Frau hin und wieder gefüttert, aber seit sie tot war, hatte der Kater an Gewicht verloren.
»Warum soll’s dir anders gehen als mir?«, fragte der Alte und zog an seiner zu weiten Hose.
Trotzdem erbarmte er sich fast augenblicklich und gab dem Kater einen Schluck der frisch gemolkenen Ziegenmilch in einen Napf, welcher dort immer stand. Schnurrend machte sich der Kater über die Köstlichkeit her -man konnte beinahe ein Schlürfen hören und Lutger grinste.
Vom Stall aus ging er in den eingezäunten Garten nahe dem Haus, in dem sie früher lediglich Kräuter und etwas Gemüse angepflanzt hatten. Jetzt wuchs hier alles, was Lutger so brauchte, um nicht zu verhungern. Die zwei Felder, die noch zu seinem Hof gehörten, waren nur zum Teil bestellt. Er hatte dort Hafer und Kartoffeln angebaut und auf eine gute Ernte gehofft, damit er diese verkaufen konnte. Mit dem Gewinn wollte er sein Dach reparieren lassen. Doch der Hafer war nicht so gut gediehen und das, was er geerntet hatte, würde er für sich und als Winterfutter für die Ziegen benötigen. Jetzt lag all seine Hoffnung auf der Kartoffelernte. Wie jeden Tag schaute er zum Feld hinüber und traute seinen Augen kaum. Es sah aus, als hätte ihm jemand den Acker frisch umgegraben und seine Kartoffelpflanzen wirkten schlapp und welk.
»Zum Donnerwetter!«, grollte Lutger und watschelte so schnell los, wie es sein Rücken zuließ.