Tybay-Interview

Ein herzliches Dank geht an Autorin Marina Heidrich. Ohne ihre Hilfe hätte ich niemals einen so mutigen Reporter gefunden, der sich bereiterklärt hätte, nach Tybay zu reisen.

Interviewpartner: Jamie & Shawn (und natürlich ich!)

REPORTER: »Jamie, nachdem Sie nun als neuer König von Tybay ausersehen sind – gibt es nicht doch Differenzen mit Ihrem Vater Shawn, unterschiedliche Vorstellungen, wie das Reich regiert werden soll oder gar einen Generationskonflikt?«
JAMIE: »Mein Vater hat mich immer unterstützt und ich schätze seine Erfahrung. Er wird mir nicht dreinreden, wenn ich König bin, aber mir doch gute Ratschläge geben, falls ich es brauche.«
REPORTER: »Shawn, wie fühlt es sich an so früh in Rente zu gehen? Sie wirken ja noch sehr fit?«
SHAWN: »Es geht mir ausgezeichnet. Ich habe gut geratene Kinder und eine wunderbare Frau. So kann man den Rest des Lebens unbesorgt genießen. Ich denke, ich werde mit Grace etwas Urlaub machen. Irgendwo auf der Erde.«
AUTORIN Tanja Kummer (murmelt leise): »Sei dir da bloß nicht so sicher.«

Interviewparter: Jamie & Grace (und natürlich ich!)

REPORTER: »Jamie, Ihre Mutter stammt ja wortwörtlich nicht von dieser Welt. Sie ist ein Alien. War es schwierig für Sie, als Ihnen dies bewusst wurde?«
JAMIE: »Meine Mutter hat einen ganz eigenen Charakter, sie ist wunderbar. Sie kommt von einem kleinen blauen Planeten in einem anderen Universum. Er heißt Erde und es ist sehr schön dort. Wir alle waren schon öfters da. Leider sind die Bewohner – anwesende ausgeschlossen – etwas unterentwickelt und zerstören ihren Planeten, sodass es dort längst keine Magie mehr gibt. Meine Mutter hat uns nie spüren lassen, dass sie keine Tybay-Geborene ist. Wie gesagt, sie ist eine ganz außergewöhnliche Frau.«
REPORTER: »Grace, war es sehr schwer für Sie sich in Tybay einzugewöhnen?«
GRACE (leicht eingeschnappt): »Zunächst mal möchte ich anmerken, dass der Begriff »Alien« auf meinem Heimatplaneten nicht gerade positiv klingt. Die Menschen dort assoziieren das mit Schuppen, Schleim, Krallen und Vernichtung. Sehen Sie an mir vielleicht irgendwelche Krallen?«
Reporter (stottert): »Öh .. öh … nö. Sie sind sehr attraktiv.. ähm ..«
Grace (besänftigt und feilt sich die Fingernägel): »Tybay ist meine Heimat, hier lebt meine Familie, hier sind die Menschen und Wesen, die mir etwas bedeuten. Natürlich war es zu Beginn alles andere als leicht und dann war ich schicksalsbedingt lange alleinerziehend. Aber dann wurde alles gut und ich denke, mit Jamie als neuem König bricht ein langes Zeitalter des Friedens und des Wohlstands an.«
Und was meint AUTORIN Tanja Kummer dazu?: »Langes Zeitalter des Friedens? Wie bitte soll ich da ein interessantes Buch schreiben? Ich denke, ihr braucht alle ein wenig Action, Spannung und vor allem: Drama, Baby, Drama.«

Interviewpartner Anna & Necom (und natürlich ich!)

REPORTER: »Anna, Ihr Bruder Jamie soll nun bald König werden …«
ANNA (unterbricht): »Mein »kleiner« Bruder.«
REPORTER: »Also, Ihr jüngerer Bruder. Hatten Sie selbst nie die Intention, als Frau den Thron zu besteigen? Und inwieweit beeinflusst die künftige Krönung das Verhältnis zu Ihrem Bruder, der ja immerhin Ihr König sein wird. Ihr Herr.«
ANNA: »Ich hätte gar keine Zeit für Regierungsgeschäfte, schließlich bin ich mittlerweile Ehefrau und Mutter. Und auch wenn in Tybay traditionell immer noch die Männer an der Regierung sind, darf man eines nicht vergessen: Die höhere Macht ist unsere Göttin. Ein weibliches Wesen. Und die steckt in jeder Frau. (Grinst breit) Also auch in mir. Und ich werde Jamie das immer wieder unter die Nase reiben.«
REPORTER: »Necom, Sie sind ja der Ältere und hätten somit eigentlich Anspruch auf die Thronfolge. Belastet es das Verhältnis zu Ihrem Bruder, dass die Göttin sich für ihn entschieden hat?«
NECOM: »Die Göttin weiß, was sie tut. Jamie und ich sind vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten und ich denke, dass er die nötigen Eigenschaften als Herrscher einfach mehr mitbringt als ich. Im Übrigen verstehe ich nicht, wieso die Presse immer wieder meint, einen Keil zwischen uns Geschwister treiben zu müssen. Ich kann nur betonen: Ich liebe meinen Bruder und werde meinem künftigen König treu sein bis in den Tod.«
AUTORIN Tanja Kummer (grübelt): »Mmh … ihr bringt mich da auf eine Idee.«

Interviewpartner Rana & Jamie (und natürlich ich!)

REPORTER: »Jamie, mit Rana haben Sie eine ganz bezaubernde Gefährtin an Ihrer Seite. Nun mal Butter bei die Fische (grinst anzüglich), sie ist also „nur“ Ihre Beraterin?«
JAMIE (runzelt die Stirn): »Rana ist meine beste Freundin, meine Kampfgefährtin. Seit Kindertagen. Es gibt wohl keinen Menschen, dem ich dermaßen vertraue und dessen Rat ich so schätze. (Jamie lacht). Und klar ist der impulsive Rotschopf sehr attraktiv – aber wir haben bereits als Kleinkinder gemeinsam nackt gebadet.«
REPORTER dreht sich neugierig zu Rana: »Ach, tatsächlich? Und wie haben Sie das empfunden?«
RANA (feuerrot im Gesicht): »Wir waren Kinder, Sie … Sie … dämlicher Schreiberling! Hören Sie auf, für ihr blödes Käseblatt alles Mögliche in unsere Beziehung hinein zu interpretieren. Jamie und ich sind beste Freunde. Und basta! Ich habe ihn sogar schon verprügelt. Ich bin einfach nur ich. Rana. Eine Freundin. Die treue Dienerin meines Königs. Und nichts Besonderes.«
AUTORIN Tanja Kummer sieht nachdenklich aus: »Mmh … eigentlich sollte so viel Bescheidenheit irgendwann belohnt werden. Oder bestraft. Je nachdem, aus welcher Richtung man es sieht.«

Interviewpartner Hochkönig Trevor & Urthac (und natürlich ich!)

REPORTER: »Hochkönig Trevor, Ihr seid ein Herrscher mit einer etwas verzwickten Familiengeschichte. Es beginnt …
TREVOR unterbricht ihn: »Knie nieder, Schreiberling. Weshalb hat mir die Redaktion so ein erbärmliches Männchen geschickt? Ich hatte ausdrücklich angeordnet, eine attraktive junge Jungfrau zum Interview zu schicken.«
REPORTER, sinkt auf die Knie: »Äh … Hochkönig Trevor, ich bedauere. Bei uns in der Redaktion … also da gibt es … (hüstel) … äh … ich meine … da bin ich die Jungfrau. Puh, jetzt ist es raus. Ach du liebe Güte, hoffentlich bekommt mein Chefredakteur diese Zeilen nicht zum lesen.«
TREVOR: »Tatsächlich? Was für ein unbedeutendes und jämmerliches Leben. Ihr langweilt mich. Geht mir sofort aus den Augen.«
REPORTER: »Danke für eure Gnade, Mylord.« Der Reporter sammelt sich und steht wieder auf. »Urthac, als Berater und Druidenmeister des Hochkönigs sind Sie mit den Angriffsplänen auf …«
URTHAC: »Schweigt! Sofort! Oder wollte Ihr noch tiefer sinken und auch noch Hochverrat begehen, indem Ihr hier unsere Pläne verratet?«
REPORTER: »Also eigentlich spiele ich im anderen …«
AUTORIN Tanja Kummer (seufzt): »Liebe Göttin, falls du gerade nicht zu beschäftigt bist, solltest du ihn mal besser retten gehen.«

Interviewpartner Eweligo & Anders (und natürlich ich!)

REPORTER: »Heute habe ich das Vergnügen mich gleich mit zwei Wesen zu unterhalten, deren Leben durch Magie bestimmt wird. Eweligo, du bist ein so genannter Gestaltwandler. Ist es nicht großartig jede Gestalt annehmen zu können, die man möchte?«
EWELIGO: »Junger Mann, nur weil ich eine knappe Elle groß bin und Libellenflügel habe heißt das noch lange nicht, dass mich jeder gleich duzen darf, klar? Okay, nachdem das geklärt ist: Ja, manchmal ist es nicht schlecht ein Vogel oder ein Eichhörnchen zu sein. Allerdings habe ich ja das Handicap, dass ich immer nur die Gestalt eines Wesens annehmen kann, das maximal meiner eigentlichen Größe entspricht. (Seufzt). Es wäre toll mal ein Wolf zu sein. Oder ein Hirsch. Ein Büffel … (redet schneller, seine Augen leuchten) … ein Elefant … au Mann, ein Wal … ein Saurier, ja, ein …«
REPORTER unterbricht ihn: »Vielen Dank für diese tiefen Einblicke in das Seelenleben eines Magiewesens. Ja, Größe ist nicht immer alles. Aber ich habe noch einen weiteren Gesprächspartner. Anders vom Volk der Uiani, ein überaus attraktives Volk mit einer unglaublich langen Lebensspanne, das allerdings so gut wie ausgerottet wurde. Auf Tybay lebt nur noch ein Geschwisterpaar.«
ANDERS schüttelt traurig den Kopf: »Nun gibt es nur noch mich. Seit dem Tod meiner Schwester Harmonie wird meine Welt täglich dunkler. Es ist manchmal eine schwere Bürde, der Letzte seiner Art zu sein, zumal, wenn man einer so langlebigen Rasse angehört wie ich. Ich sehe eigentlich keinen Sinn mehr in meinem Dasein und werde jeden Tag depressiver. Wenn wenigstens noch ein einziger Uiani übrig wäre außer mir. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Land oder ein ganzer Planet mit meinesgleichen sein.«
AUTORIN Tanja Kummer wischt eine Träne ab und schnäuzt sich lautstark: »Ich muss mal sehen, was ich für ihn tun kann.«

Interviewpartner Göttin & Autorin Tanja Kummer (und Jamie!)

REPORTER (unsicher): »Äh … Eure Erhabenheit … Eure Heiligkeit …«
GÖTTIN (winkt großzügig ab): »Göttin reicht vollkommen als Anrede.«
REPORTER: »Meine Göttin, wie funktioniert das eigentlich mit dem Weltenerschaffen?«
GÖTTIN: »Nun, im Prinzip ist es ganz leicht. Ich versuche, kreativ zu sein, meine Ideen zu verwirklichen und echt schöne Dinge und Lebewesen zu produzieren. Die Grundidee ist immer schon in mir vorhanden. Allerdings muss ich diese Idee zunächst mal in den Kopf eines Musenjüngers transportieren. Eines Schriftstellers. Der kümmert sich dann um die Feinarbeit, ich kann ja nicht alles allein machen. Ich wähle mein Personal sehr sorgfältig aus, diesmal habe ich auf dem Planeten Erde Tanja Kummer ausgesucht.«
AUTORIN Tanja Kummer (wird rot): »Danke, Göttin. Es ist mir eine Ehre.«
GÖTTIN (beugt sich flüsternd zum Reporter): »Na ja, ehrlich gesagt, hat sie das Kleingedruckte in unserem 100-Seiten-Vertrag nicht gelesen. Die Verpflichtung, mehrere Universen und Reiche zu erschaffen, zu erhalten oder zu vernichten inklusive der jeweiligen Bevölkerung. Hunderte von Nebendarsteller einzukleiden, zu verpflegen, leben und sterben zu lassen. Mehrere Dutzend Hauptcharaktere in Bezug zueinander zu setzen, Konflikte austragen lassen, Liebesdinge durcheinanderbringen, eine Trilogie als Grundstein erschaffen, einen fetten vierten Band in kürzester Zeit zu meinem Lob herauszubringen und in den nächsten 127 Jahren ihrer Lebensspanne noch mindestens 88 Fortsetzungen zu schreiben. Kurzum: Mir ihr komplettes Leben zu widmen.«
AUTORIN Tanja Kummer (sichtlich verwirrt): »Ich habe jetzt nur einen Teil mitbekommen, liebe Göttin. Was meinst du mit Reiche vernichten, Figuren sterben lassen, Konflikte usw.? Und wen soll ich denn von den Hauptdarstellern über die Klinge springen lassen? Und Liebesdinge durcheinanderbringen: wie denn? Soll ich Jamie schwul werden lassen? Ihn ins Göttin-Kloster schicken?«
GÖTTIN: »Ohm … hmm …«
JAMIE (atemlos aus dem Off): »Hey! Hört auf euch in meine Privatangelegenheiten einzumischen. Mein Liebesleben geht keinen was an, weder Autorin noch Göttin, klar? Da habe ich ja wohl am ehesten ein Wörtchen mitzureden!«

Interviewpartner Jamie & Persa (und natürlich ich!)

REPORTER: »Jamie, wer ist denn heute die reizende Begleiterin an Ihrer Seite? Und wie darf ich Ihren Blick deuten, diese seltsame Mischung aus Verliebtheit und Schuldbewusstsein?«
JAMIE (leicht verstimmt): »Also, das ist Persa. Sie ist toll. Intelligent, warmherzig und wunderschön. Man muss sich einfach in sie verlieben.«
REPORTER (zögerlich): »Na ja, allerdings … ist da nicht noch … Sie wissen schon …« Der Reporter gestikuliert heimlich verlegen.
PERSA: »Nun machen Sie sich mal nicht ins Hemd, junger Mann. Sie können es ruhig aussprechen: Jamie ist gebunden, sein Herz bereits vergeben. Ich weiß das, aber zwischen uns beiden hat sich etwas ganz Besonderes entwickelt … na ja, Sie wissen schon … es ist irgendwie magisch.«
REPORTER:
»Dann haben Sie keine Angst vor Jamies Ehefrau?«
PERSA: »Nein, warum? Die ist doch weit weg.«
AUTORIN Tanja Kummer: »Ich sag nur „Weltentor“. Okay, vielleicht sag ich noch „Überraschung!“«

Interviewpartner Jamie & Zeros (und natürlich ich!)

REPORTER: »Jamie, was genau ist ein Zeros und was sind Ihre Erfahrungen damit?«
JAMIE: »Ich denke, Zeros sind die am meisten missverstandenen Kreaturen dieser Welt. Und sie sind wunderbar.«
REPORTER: »Unsere Leser würden aber gerne wissen … moment … was ist das? Ist das ein Zeros? Du liebe Güte …, das sieht ja aus wie eine Mischung aus … aaaaahhhh!«
Zeros: Speiht Feuer
AUTORIN Tanja Kummer (geheimnisvoll lächelnd): »Tja, da hätte der Herr Reporter doch fast gespoilert und den Lesern somit die Vorfreude verdorben. Aber nur über meine Leiche! Beziehungsweise seine.«